Qualzucht – Aufklärung statt Verurteilung
Qualzucht ist ein wichtiges Thema, das in der Hundewelt immer mehr Aufmerksamkeit erhält – in den Medien, im Tierschutz und im Alltag vieler Hundehalter*innen. Als Hundetrainerin in Innsbruck und selbst Halterin einer Französischen Bulldogge mit gesundheitlichen Einschränkungen liegt mir dieses Thema besonders am Herzen.
Mein Ziel ist es, fachlich fundiert über Qualzucht aufzuklären, ohne zu verurteilen. Mir geht es darum, Wissen zu vermitteln, Verständnis zu schaffen und Hundehalter*innen in Tirol dabei zu unterstützen, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen.
Viele beliebte Hunderassen leiden aufgrund ihrer extremen Zuchtmerkmale unter schweren gesundheitlichen Problemen. Durch offene Aufklärung können wir gemeinsam dazu beitragen, dass langfristig weniger Hunde mit solchen Einschränkungen geboren werden – indem wir uns bewusst gegen Rassen entscheiden, die unter Qualzuchtmerkmalen leiden.
Als Hundetrainerin möchte ich dir helfen, deine Entscheidungen rund um den Hundekauf oder das Training deines bestehenden Hundes gut informiert und mit einem liebevollen, verantwortungsvollen Blick zu treffen. So schaffen wir gemeinsam bessere Lebensbedingungen für unsere Hunde – heute und in Zukunft.
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Der Begriff „Qualzucht“ beschreibt Zuchtformen, bei denen gezielt Merkmale gefördert wurden, die beim Tier zu Leiden, Schmerzen oder erheblichen Einschränkungen führen – oft um einem bestimmten Schönheitsideal oder Modetrend zu entsprechen.
Diese Merkmale können äußerlich sofort sichtbar sein (wie extrem kurze Nasen oder übermäßige Hautfalten) oder sich erst im Verhalten und in der Gesundheit des Hundes zeigen.Das Problem: Viele dieser Merkmale gelten in Rassestandards noch immer als „typisch schön“, obwohl sie das Wohlbefinden der Hunde beeinträchtigen. Häufig atmen solche Tiere schlecht, können sich nicht normal bewegen oder leiden chronisch unter Schmerzen.
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Bulldoggen und Mops
Bei diesen Rassen sind die typischen Kurzköpfigkeit (Brachyzephalie) und die extrem verkürzte Schnauze das Hauptproblem. Sie führen häufig zu Atemnot, Überhitzung, Augenproblemen und können die Lebensqualität stark einschränken.
Shar Pei
Die überschüssigen Hautfalten, die als besonders niedlich gelten, können zu schmerzhaften Entzündungen, Hautproblemen und eingeschränkter Beweglichkeit führen.Dackel
Der lange Rücken und die kurzen Beine erhöhen das Risiko für Bandscheibenvorfälle und Wirbelsäulenprobleme.Chihuahua, Zwergspitz, Toyrassen
Diese sehr kleinen Hunde haben oft offene Schädelnähte (Fontanellen), Zahnfehlstellungen oder instabile Gelenke.Deutsche Dogge und andere Riesenrassen
Hier ist nicht die Atemnot, sondern das extreme Größenwachstum problematisch: Es kann Herz-Kreislauf- und Gelenkprobleme verursachen und die Lebenserwartung deutlich verkürzen.
Natürlich ist nicht jeder Hund einer betroffenen Rasse automatisch krank – aber das Risiko ist deutlich höher, wenn bestimmte Merkmale überbetont werden.
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1. Regelmäßige Gesundheitschecks beim Tierarzt
Regelmäßige Untersuchungen sind Pflicht: Atemwege, Augen, Gelenke, Haut und Herz.
Notwendige Operationen durchführen lassen bedeutet Verantwortung übernehmen und können das Leid in den meisten Fällen stark lindern
Frühzeitige Diagnosen verhindern unnötiges Leid.
2. Atemprobleme ernst nehmen
Viele Qualzuchten leiden unter Brachyzephalem Syndrom (verkürzte Atemwege).
Tipps:
Keine Überanstrengung bei Hitze.
Spaziergänge in kühleren Tageszeiten.
Stress vermeiden, da er die Atemnot verstärkt.
Stattdessen gerade im Sommer auf die kognitive Auslastung achten
3. Gewichtskontrolle
Übergewicht verschlimmert Atemprobleme und Gelenkbelastung.
Empfehlung: Hochwertiges Futter, angepasst an Energiebedarf, und regelmäßige Bewegung ohne Überlastung.
4. Augen- und Hautpflege
Rassen mit faltiger Haut oder hervortretenden Augen sind anfällig für Entzündungen.
Pflege-Tipps:
Falten täglich reinigen und trocken halten.
Augen regelmäßig kontrollieren, bei Rötung sofort zum Tierarzt.
5. Keine Zucht und kein Kauf weiterer Qualzuchten
Jede Weitervermehrung verstärkt das Problem.
Empfehlung: Tier kastrieren lassen und aktiv über die Risiken aufklären.
6. Artgerechte Beschäftigung
Trotz Einschränkungen brauchen Hunde geistige Auslastung.
Ideen: Nasenarbeit, ruhige Suchspiele, Training ohne körperliche Überforderung.
7. Notfallplan
Bei Atemnot oder Kreislaufproblemen sofort handeln:
Hund an einen kühlen Ort bringen.
Tierarzt oder Tierklinik aufsuchen.
📌 Wichtiger Hinweis: Qualzuchten sind nicht „normal pflegeintensiv“, sondern leiden oft lebenslang. Verantwortung bedeutet, alles zu tun, um das Leiden zu minimieren.
Mein eigener Hund ist dafür ein gutes Beispiel:
Er wurde bereits dreimal am Gaumensegel und an der Nase operiert, hat chronische Augenprobleme, eine ständig trockene Nase, diverse Allergien und Keilwirbel. Trotzdem ist er ein unglaublich fröhlicher, herzlicher Hund, der mit seinem Charme alle verzaubert – er zeigt mir täglich, warum Aufklärung so wichtig ist. -
Wer sich für einen Hund aus einer Zucht entscheidet, kann selbst viel Verantwortung übernehmen. Ein seriöser Züchter:
züchtet nicht auf Extreme, sondern auf Gesundheit, Charakter und Wesen,
lässt seine Tiere tierärztlich untersuchen (inkl. genetischer Untersuchungen, z. B. auf Atemwegs- oder Wirbelsäulenprobleme),
gibt ausführliche Informationen über die Elterntiere, deren Gesundheitswerte und Lebensbedingungen,
züchtet nicht mehr als einige wenige Würfe im Jahr,
gibt die Welpen nicht zu früh ab und legt Wert auf Sozialisation,
erlaubt Besuche in der Zuchtstätte und beantwortet alle Fragen offen.
Wichtig ist: Schau genau hin. Wenn ein Züchter dich schnell „überreden“ möchte oder der Eindruck entsteht, dass Profit über Tierwohl steht, ist Vorsicht geboten.
Viele Welpen werden als „freiatmend“ angeboten. Dabei solltest du wissen: Der Schädel dieser Hunde wächst bis etwa zum 3. Lebensjahr weiter – die Schnauze jedoch nicht. Lass dich also nicht täuschen: Die Länge der Welpenschnauze sagt nichts über die spätere Atmung aus!
Wenn ein Züchter dich darüber nicht ehrlich aufklärt: Pfoten weg!
Warum mir Aufklärung so wichtig ist
Ich bin überzeugt: Kein Mensch würde sich bewusst für eine Qualzucht‑Rasse entscheiden, wenn er das ganze Ausmaß der gesundheitlichen Probleme kennen würde. Niemand möchte seinen eigenen Hund täglich leiden sehen – nach Luft ringend, mit Schmerzen im Rücken, wenn Spaziergänge kürzer werden müssen und die Welt des Hundes immer kleiner wird. Oder wenn er langsam erblindet und man hilflos danebensteht.
Die Realität ist hart: Es gibt heute kaum eine Französische Bulldogge oder einen Mops, die frei von Atemproblemen oder anderen qualvollen Einschränkungen sind. Ja, es gibt inzwischen wichtige Bemühungen in der Zucht, diese Rassen wieder gesünder zu machen – und das ist dringend notwendig. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass viele dieser Hunde über Jahrzehnte bewusst auf extreme Merkmale hin gezüchtet wurden.
Bis wir wieder von „gesunden“ Bulldoggen, Möpsen oder auch Dackeln sprechen können, wird es Zeit brauchen – viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte. Und bis dahin? Wie viele Hunde werden noch mit schweren gesundheitlichen Problemen geboren?
Bitte versteht mich nicht falsch:
Ich liebe meinen eigenen Hund über alles. Aber sein Leid zu sehen, zerreißt mir jeden Tag das Herz. Genau deshalb ist mir Aufklärung so wichtig – als Hundetrainerin in Innsbruck und als Mensch, der diesen Weg selbst gegangen ist.
Ich wünsche mir, dass niemand denselben Fehler macht wie ich damals.
Informiert euch gut, fragt kritisch nach, und entscheidet euch im Zweifel lieber gegen eine Qualzucht‑Rasse. Ihr erspart euch und vor allem eurem Hund viel Leid.
Eure Maria

